18. März 2018, Sonntag 12 Uhr. Alexanderplatz Berlin
Kaltes Blau am Himmel. Ich friere äußerlich, innerlich. Kein Wandern, kein Ziel.
Bahnsteig Alexanderplatz. Es zirpt, flötet, singt. Stare tippeln umher, hocken auf Bänken, Stangen und schmal zwischen den Spießen gegen die Tauben. Mit sicherem Instinkt lassen sie sich aus der Hand füttern. Um Fliegen oder Zecken zu schnabulieren, sind sie es gewohnt, auf Schafen oder Rindviehchern zu sitzen. Nur gibt es in diesem urbanen Raum eben Weißmehlprodukte anstelle Insektenprotein dann für die Jungvögel.
Seit zwei, drei Jahren haben die Stare in der Brutsaison den Bahnhof Alex okkupiert. Irgendwo in den Mauern scheinen sie Hohlräume zum Nisten zu finden.
Der Eindruck der guten Anpassung täuscht. Die riesigen, abendlichen Schwärme über dem Nachwende-Schlossplatz gibt es nicht mehr (lt. Nabu seit 2014), obwohl die Vögel in den milden Wintern kaum mehr “weitwandern”.
Nabu und Vogelschutzbund haben den Star wegen seines schwindenden Lebensraumes zum Vogel des Jahres 2018 gewählt.
In so vielen Menschenleben sieht die Stadt auch wie das Zuhause aus und ist letztlich ein Locus terribilis.
Soll ich aufzählen, was wir hier an uns und der Umwelt für Sünden begehen?
Zum Insektensterben siehe auch → “Nichts kommt überraschend” von 1999 / 2019.