Boitzenburger Land

21. – 22. Juni 2019, ca. 35 km im Boitzenburger Land grenzüberschreitend nach Mecklenburg und ca. 15 km heimwärts

Boitzenburger Land, Mutterkuhhaltung

Zwischen Feld und Ferien das Boitzenburger Land Richtung Warthe – nicht wie google maps verlangt, sondern in Jakobshagen am Kirschbaum auf den landwirtschaftlichen Besitz einbiegen!

Boitzenburger Land, Heckenweg bei Jakobshagen

Das ist mit freundlicher Hilfe eines Uckermärkers gefunden: einige Meter Beton, Viehzucht, dann schlängelt sich ein Laubengang zum Waldrand.

Boitzenburger Land, Richtung Stabeshöh

Parallel verläuft der Weg Stabeshöhe zum Großen Warthesee. Zu früh biege ich ab, laufe einen unsinnigen Bogen, lande an den unzugänglichen Privatdatschen und am flachen, südlichen Ufer. Auch in Bröddin Suche Richtung Wüste Mühle Karow: neben der roten Markierung ist privat überbaut, verbarrikadiert mit Riesenjeep. “Das ist nicht mehr öffentlich” weiß man am Dorfende.

Boitzenburger Land, Bröddin
Die Viehwirtschaft liegt darnieder, also dort im großen Bogen zum Rathenow See, quer über Feld und Wiese.

Boitzenburger Land, Blickrichtung Rathenowsee
Mahlendorfer Weg, eine Asphaltstraße ohne Zugang zum Stoitzsee – wer sucht auch hier nach Hügelgräbern… Überall völlig überwachsen. Dekorativ liegen einige Steine an den Straßenrand gepackt – dem Zeichen in den Wanderkarten ist Genüge getan.

Boitzenburger Land, am Stoitzsee
Ein kleiner Abzweig zum Schleusengraben, um die Straße auszusparen, kurz vor Mahlendorf wieder hoch:

Kröte im Wald am Schleusengraben

durch den Sumpf führt der Weg nur für Kröten.

Lupinen Nähe Düster Möll

Am Abzweig Düster Möll eine prächtige Eichenallee. Auf den Wiesen – ich seh mit Schrecken, beginne automatisch zu reißen – sinnlos: die Samenstände der blauen Lupine voll ausgereift! Von der künftigen → Invasion scheint man nichts zu wissen.

Boitzenburger Land, Düster Möll
Düster Möll: seit den vielen Jahren, die mir das Boitzenburger Land ans Herz wachsen ließen, reizt dieser Name voller Gruselgeheimnis. Friedlich in der Sonne ein Mühlenschloss ohne Mühlrad – besser noch einmal unter düsterem Novemberhimmel…

Boitzenburger Land, Allee der europäischen Lärchen
Die anschließende, 2,3 km lange “Allee der europäischen Lärchen” geht sichtlich ihrem standortfremden Ende entgegen. Eigentlich sollen Lärchen im Boitzenburger Land als nicht heimisch sogar entnommen werden. Begründet wurde die Allee 1798 durch einen Graf von Arnim: ursprünglich 1171 Stück, erhalten 374, Durchschnittshöhe 35 m.

Boitzenburger Land, über 200 Jahre alte Lärchen

Richtung Thomsdorf eine Irgendwas-Ruine verpasst. Aus dem Nichts kommend, hetzend und jappsend begleitet mich ein Hund. Wohin, wohin mit dir? Ach, die Elli aus Brüsenwalde, so ein artiger Hund… Im Vergleich zu den drei Drachendackeln aus dem Haus am Wald allerdings! Mich rettet eine fremde Leine vor dem Besitz eines treuen Hundes.

Boitzenburger Land, Elli von Brüsenwalde

Grenzüberschreitung

Neuorientierung in Thomsdorf Richtung Mecklenburger Dreetzsee. Am Wegesrand (Boitzenburger Land 53.288912, 13.4496846) auf keiner Karte verzeichnete ovale Steinsetzungen.

Der Rundweg aber zeigt nur verkrautet rund. Ich kreisle vorbei am Campingplatz (oh neeeee) – die Zeit zum Baden wird zu knapp. Doch es läuft sich herrlich durch den Buchenwald auf der Höhe bis zur – verflixt und zugenäht – Krüseliner Mühle. DAS sagte der Pfad nirgends.

Uferweg Krüselinsee

Also teilweise auf dem → Klaus-Borrmann-Weg über Dorfwüstung Krüselin, beides nicht auf meiner Karte. Krüselin: mehr oder weniger erst gestern erinnert. 13. Jh. Kirchdorf der deutschen Ostkolonisation, 1724 Meierei, 1908 Försterei, 1945 als Rückzugsort der deutschen Wehrmacht zerstört. Das nahe Ravensbrück und der Nazi-Krieg. Flucht, Vertreibung, Tod – ungesagt, zusammenhangslos inmitten einer Idylle**.

Klaus-Borrmann-Weg, Wüstung Krüselin

Thanatos und Hypnos

In Laeven hinter der Kartenmarkierung Kirche links. “Hier gibt es keine Kirche.” Ruf Richtung Haus: “Gibt es hier eine Kirche?” “Nein”. Aber hinter dem Friedhof, dort geht der Waldweg nach Koldenhof. Niemals käme ich auf die Idee, es könnte etwas weiter die Forststraße gemeint sein.

Jagdrevier bei Laeven. Copyright K.G.Brandler

Lange Schatten. Nach Art der Musterhäuser reiht sich noble Jagdkanzel an Jagdkanzel, hingestellt wie vom Premium Revierservice für Jagdreisen. Zwei Kraniche bequemen sich erst spät, im Tiefflug zu verschwinden. Ein Rehlein – roter Punkt inmitten der Locksaat – sichert, schreitet, springt ab. Wenig später schaurig lautes Brüllen, minutenlang, die Stellung kaum ändernd wie bereit für forkelnden Überfall, zuletzt heiser bedrohlich mit verlängerten Pausen ausgestoßen: Böh Böh.
Ich tippe auf kapitalen Zwölfender. Erst zu Haus sagt mir Google: Rotwild schreckt nicht. Wahrscheinlich eine Ricke, die sind am lautesten. Unglaublich. Im Internet ist nur → der übliche, kurz abgehackte Bell-Laut zu finden.

Köhlereiche bei Lüttenhagen

Endlich: vor Lüttenhagen eine Stieleiche, ca. 350 Jahre alt, die “Köhlereiche”, Rast- und Versammlungsplatz der Köhlereiarbeiter. Frisch gemäht ein Kessel zum dicht verwachsenen Sumpf. Tisch und Bank. Im äußersten Wiesenzipfel klemmen die Reste einer Baumleiter. Der uralte Pflasterweg ohne Autos (so etwas wäre Alarmsignal für eine Ansitzjagd). Nur einmal noch Kinder auf Nachtwanderung: also ein perfektes Plätzchen für splittblutige Füße in Sandalen und der Grauzone des Unerlaubten.

Rastplatz Köhlereiche bei Lüttenhagen
Licht aus, Sterne an. Leider mäßig, es bleibt hell. In der Ferne fiept es. Knallt. Knallt wieder. Knallt, knallt. Woher, wohin – links, wo das Herz sitzt. Hocken und Warten ist die “Hauptbewegung” des Jägers. Und meine. Nach mehr als einer Stunde eine Kanonade – mein Gott, was machen die? Stille. Weit nach Mitternacht aus dem Sumpf ein kurzes Schrecken. Noch ein Wilderer auf Mondpirsch? Beruhigend quaken ein paar Frösche zu völlig falscher Zeit.

Die Nacht der Jäger

Die Heiligen Hallen

Noch einmal frühmorgens müde zwei tiefe Böh Böh. Am Sumpf wendet sich ein Reh ab.

Heilige Hallen bei Lüttenhagen
Ich wandere durch die Heiligen Hallen bei Lüttenhagen, entstanden durch Naturverjüngung aus einem Buchenbestand des 30jährigen Krieges (1618 – 1648). Ein Hauch Zigarette weht in die Nase. An der Köhlereiche lag ein Stummel, gestern noch nicht – ich äuge mit allen Sinnen.

Totalreservat Heilige Hallen bei Lüttenhagen
Eine Runde Totalreservat reicht. Beeindruckende Solitäre, aber die optimale Phase des Baumbestandes als Halle eines gotischen Domes endete bereits Mitte des 19. Jahrhunderts.

Feldberger Seenlandschaft, Heilige Hallen, Solitäre

Das Vergessen und das Erinnern

Landschaft ist das Vergessen. Feldberger Seenlandschaft; später als gerechnet, erreiche ich das Kunsthaus Koldenhof. Verschwinde ich zu anderen Gelegenheiten vergrämt von Ungenügen und Anmaßung sofort wieder in der göttlichen Schöpfung – bin ich am Ziel: → „Hans-Hendrik Grimmling. Malerei”

Hans-Hendrik Grimmling, Der kleine Gärtner, Detail
Das immer Große in ausnahmsweise kleinen Bildern, hier zu sehen zwei Details. Unerklärliches sinnlich werden lassen. Das wilde Denken des kleinen Gärtners vs. sich bescheidendes Denken. Vielschichtige Kommunikation im Ausstellungsgespräch als Monolog.

Hans-Hendrik Grimmling, Engel, Detail

Die kleinen Stiche

Die aufgewiegelten Gedanken sind der rasenden Heimfahrt nicht gewachsen. Stabeshorst, ja Stabeshorst: an den Boitzenburger Seen liegen und eine Sommernacht genießen. Aber Stabeshorst ist nicht Stabeshöhe. Wieder so weit das Auge reicht: liebliche Uckermark, Schafe ohne Hirte, Stab und Hunde, ohne Wehr und Waffen. Sehnsucht nach Bleiberecht.

westliche Spitze Oberpfuhlsee
TouristensommerAber das nahe Lychen – weg, nur weg und heim. Ein schnelles, einziges Bad in unserem Land der 3000 Seen. Ich quäle mich durch einen bunten, einfältigen Touristensommer. Peu à peu und insgesamt bediene auch ich das Klischee mit 5 Kugeln Eis:  Fürstenberg oder Templin sind samstags wie eh und je nur 2 x täglich (oder Straße, Straße) zu erreichen*.

Der Berliner Morgen mit juckenden Schwellungen am Kopf, im Gesicht. Mückenschwärme gab es nirgends und zu keiner Zeit. Also doch erst vom rattengiftgetränkten, nächtlich-metropolen Ungeziefer?***

*Bundestags-Wahlversprechen 2017 in leichter Sprache (so etwa von allen Parteien):
“Wir wollen, dass die Menschen gut von einem Ort zum anderen kommen.”

**“Unsere Geschichte” im NDR

***Als Reaktion auf das Sekret der Grasmilbenlarven-Bisse bilden sich erst nach ca. 24 Stunden stark juckende, rote Quaddeln. Der Juckreiz kann bis zu zwei Wochen anhalten. Schlafend unter meinem Mesh, ohne Angst vor nachsuchenden Hunden, Querschlägern oder was weiß ich, wär das wohl nicht passiert.

Borgsdorfer Fingerhut

11. Juni 2019, ca. 12 km Rundweg Borgsdorf – Briesetal als Solo zu zweit, durchaus eine Tagestour

Dieses Gebiet gehört seit fast 30 Jahren mehr oder weniger zu den 9 – 100 Kilometern der spätherbstlichen Veranstaltung “Borgsdorfer Nelke”, organisiert vom Wandersportverein Rotation Berlin. Jenseits deren Tracks kann diese → Kartenskizze auch für Däumlings stark abgespeckten “Fingerhut” genutzt werden.

Wald bei Borgsdorf, Fingerhut
Schneller kenne ich im Norden Berlins keinen Weg in den Wald. Vom S-Bahnhof Borgsdorf aus ist er schon zu sehen.

Suchbild: geflügeltes Insekt

Hügelig hoch und runter geht es im Stöckeparadies. Es gibt erstaunlich Lebendiges, das dem gemeinen Wanderer auf ewig verborgen bleiben wird. Auf Anweisung und gut Glück hab ich draufgehalten. Hat geklappt; nach wie vor nur für Adleraugen.

Bogenluch
Kreuzung Bogenluch / Briese: ein Bohlensteg führt durch den Dschungel.

Bohlenweg durchs Bogenluch
Ach lieber Jäger, ich weiß, ich weiß. Aber zwei Krähen bekämpfen sich sogar für meine Ohren ungewöhnlich lautstark – da muss ein besorgter Blick gestattet sein.

Ansitz an den Feuchtwiesen
Am Ende des Pfades klappert das Mühlrad. Hä? Das Rad läuft rückwärts! Wahrhaftig, sieht falsch aus. Aber nach einigen Jahren mit dem Wanderverein Rotation Berlin weiß eine Mitwanderin die Funktionsweise oberschlächtiger und unterschlächtiger Mühlräder sogar im Schlaf zu erklären.

Im Briesesee zu baden, wäre auch eine Option. Wir hoppsen weiter. Der Mini Monkey Kletterwald hat zum Glück geschlossen, ist eher für Kitaalter und wird sowieso getoppt von der Waldschule Briesetal.

Waldschule Briesetal, Kaulquappen
Wer hier mit minutengenauem Wanderplan operiert, ist schlecht beraten. Unsere Ringelnatter erbeutet eine Kaulquappe. Das Verschlucken des Leckerbissens dauert und dauert: egal, das ist spannend.

Waldschule Briesetal, Ringelnatter
Die Frösche erweisen sich dagegen als total stupid und beim Holzfischangeln zerren mehrheitlich Algen am Haken.

Waldschule Briesetal, Angelteich

Da lockt dann doch die echte, wenn auch sicher unbewohnte Biberburg an der Briese.


Abwechselnd vom oberen Weg zum Ufer und zurück können durchaus etliche Höhenmeter auf kürzester Strecke bewältigt werden.

Holzmusik
Geheimnisvolles wie dieser unterirdische Wasserfall ist nicht auf den ersten Blick zu entdecken.

unterirdisch

Es folgt Mehrfach-Befahrung des Mississippi an der kleinen Briese-Brücke…

Segelschiff auf der Briese
…und noch ein gelungener Schwirrholzversuch.

Schwirrholz
Zum Schluss erwachen in solcher Wildnis die urtümlichsten Instinkte…

Stockspiel an der Briese

Bis Bahnhof Zühlsdorf oder Basdorf wären es jetzt kaum mehr Kilometer als wieder zurück nach Borgsdorf. Eindeutig wird die Strecke wieder durchs Moor bevorzugt. Auf jeden Fall eine kühle Variante!

Briesetal

Zeit statt Zeug für Kinder!

Im Süden Berlins hat die → Sandgrube im Grunewald mit dem Ökowerk einen gleichen Erlebniswert.
Einziger Wermutstropfen: die für alte Herrschaften bequemer zu erreichenden städtischen Spielplätze haben in der Folge keinen Anklang gefunden. Kinder merken dann doch einen Betrug 🙁

Von Goslar nach Ilsenburg

Pfingsten 2019, “Wandern im Harz”. Zu zweit von Goslar nach Ilsenburg – dank Harz-Berlin-Express (mit einigen Abstrichen fast wie vor dem 9.12.2018). Geplant: Klippenweg und Ilsetal, alles andere jenseits der harzbekannten Forstwege.

Aller Anfang ist schwer

Goslar, kurz nach 10h ein schnuckeliges Harzstädtchen, nach 10:30h Touristengewimmel. Wir fliehen am Abzuchtkanal und der alten Stadtmauer entlang (der jüdische Friedhof ist nicht nur in den neuen Ländern, sondern auch hier geschlossen), landen auf dem Segelfluggelände Bollrich.

Auf der Suche nach dem Klippenweg. Copyright K.G.Brandler
Das Vorhaben, jenseits der Pfingstochsentouren naturbelassene Wege zu finden, geht höchst langsam bzw. zu schnell in Erfüllung.

Hinter dem Absetzbecken
Der Weg zwischen den Absetzbecken verflüchtigt sich in unendlichen Dornröschenhecken und die Natur steckt voller Rätsel.

Antonia-Bank

Kein Wunder: Orientierung verloren. Gelmketal und Ammental daher vor und zurück.

Wandern im Harz, Sackgasse
Endlich: die Brücke am Waldhaus über die Oker, dann die Alte Harzstraße als Genusswandern.

Wandern im Harz

Wandern im Harz

Blick ins Okertal
Wandern im Harz

Autos und Motorräder sind trotz der Talstraße nicht zu hören: lauter braust der Wind oberhalb des Okertales in den Ohren.

Romkehaller Wasserfall
Schnellstens raus aus dem Bereich des windverwehten Wassers vom Romkerhallerfall! Viel kann nicht unten ankommen. Besichtigung sparen wir aus.

am Romkehaller Wasserfall
Der Tag neigt sich bereits dem Ende zu. Steil hoch geht es auf dem Klippenpfad. Das wegen Renovierung geschlossene Kästehaus muss nicht mehr sein. Wir umkreisen etliche Brocken (nicht den Brocken) und die Feigenbaumklippe.

Unterschlupf. Copyright K.G.Brandler
Besseres lässt sich niemals finden. Ein langer Sonnenuntergang und „Gute Nacht.“ Irgendwann ein Blick in den dunklen Himmel. Haarscharf an der Kante des Überhanges: drei Sterne des Großen Wagens. Wer weiß – unsere Vorfahren haben sicher mehr aus der Konstellation gelesen.

Klippenweg und quer durch

Feigenbaumklippe am Morgen. Copyright K.G.Brandler

Rosarot, breit strahlend der Sonnenaufgang gegen 4 Uhr.

Pfingsten 2019, Harz

In der zweiten Reihe schläft es sich immer noch gut.

Feigenbaumklippe

Ziellos gezielt genießen wir höchst ausgeruht jede Klippe. Dank an den → Ideengeber.

Wandern im Harz

Mein babylonischer Sternen-Favorit: die Moosklippe, ohne Geländer. Oben steinerne Single-Kuhlen: perfektes Liegen im Felsennest mit ungeschütztem Blick in den weiten, weiten Himmel.

Kästeklippen, Alte vom Berge

Überhaupt: wer nicht diese Felsformationen genauer erforscht, weiß nicht, was eine Harzer Klippe bedeutet. Mausefalle – Hexenküche – Mönch und Nonne – Kästeklippen, wir enden bei der Alten vom Berge.

Wandern im Harz

Süd-xx-wärts quer gibt es wenig zu entscheiden. Aus dem Auto vom Forst wird freundlich gewinkt. Dass wir am Brockenblick als Backpacker nicht frisch aus dem Hotelbett gestiegen sind, ist klar. Kontrolliert wird das Harzgebiet offensichtlich an Feiertagen verstärkt.

Diabaswerk Huneberg

Gemeint sind andere als wir und anderes. Sogar das Diabaswerk am Huneberg liegt unbewacht: Absturz auf eigene Gefahr…

Obwohl frisch gewaschen: wir werden mit unseren offensichtlich anderen Ambitionen an der → Marienteichbaude freundlichst übersehen, um so freundlicher beim Nachfüllen aller Flaschen bedient. Hier tanzt ansonsten der Bär, auch wenn es nur Wildkatzen sind.

Wandern im Harz, Überraschung

Wir verschwinden schnellstens, kreiseln auf wilden Waldwegen, geraten wieder auf Splitt, stolpern notgedrungen darauf abwärts auf dem trotzdem einsamen Luchsweg zum Radauwasserfall mit lauschigem Plätzchen für einen verdienten Kaffee.

Radauwasserfall
Richtung Molkenhaus ein steiniger Zickzackpfad aufwärts. Abwärts grölt uns das Ziel entgegen. Dabei hat das Haus (nicht die Wiese) geschlossen.

Luchsgehege
Also eingedenk der morgigen Zugbindung geradewegs auf Splitt zum verfetteten Luchs im Gehege und zur Rabenklippe.

Wandern im Harz

Granit, Wollsackverwitterung

Das große Suchen Richtung Eckertal – vergeblich. Eisentor, Verzehrvorschriften, Privatgärtchen versperren den eindeutig gezeichneten Weg. Doch, gerade durch die Gastwirtschaft wäre der Einstieg gewesen.

Rabenklippe

Der nun urige, feuchte und steile Pfad am Großen Stötterbach hätte langsames Gehen verdient. Der Eckertalweg schon wieder mit eckigem Ekelsplitt bis der Jungborn mit lieblicher Wiese fast wie zu Zeiten des einstigen Kurparks grüßt. Die Pflege des Areals wird inzwischen mit dem Vermieten von Schäferwagen finanziert. Recht so. Nur wir können nun nicht wie Kafka im → Kurluft-Häuschen träumen.


Mit grauen Wolken bricht eine Nacht an, die zumindest in meiner Erinnerung nicht dunkel wird.

Alles Ilse am Tag drei

Über den Besenbinderstieg nach Ilsenburg, dann entlang der Ilse-Kaskaden.

Feuersalamander an der Ilse. Copyright K.G.Brandler
Hexenverdächtig, aber naturgeschützt endlich einmal ein lebendiges Tierchen unter all den überfahrenen Leichen meiner sonstigen Fotos

Ilse

Die sommerliche Ilse lädt zum Planschen ein. Hier zur → Ilse im Winter.

Ilse

Doch ätzend splittsteinig wartet bereits die Strecke Richtung Plessenburg.

Plessenburg
Die Art unseres Gepäcks hat Seltenheitswert. Mehr als einen Tagesrucksack trägt niemand, die Radler wohl nur ein Geldsäckel.

Zwischen Plessenburg - Ilsenburg
Das Wetterglück ist uns hold: sogar kahle Hänge sind in der Sonne keine wirkliche Qual.

Ilsestein mit Kreuz. Copyright K.G.Brandler

Steil (es geht auch anders) zur Ilsesteinquelle und zur Felsenburg Ilsestein mit leckerstem Eis, für dessen Transport der Splitt wenigstens einen Sinn ergibt.


Das Kloster in Ilsenburg schon mit dem Gefühl „vorbei ist vorbei“ ohne mich. Noch 3 Stunden bis Buffalo…

Fazit “Wandern im Harz”

Das angepriesene „Wandern im Harz“ bedeutet eintönige, breite Nationalparkstraßen plus Splitt. Dank Borkenkäfer streckenweise fußfreundliche Nadelstreu. Etwas zynisch: gern mehr davon.

Die begehrte Harzer Wandernadel ist problemlos an günstig gelegenen Stempelstellen Nähe Parkplatz, Bushaltestelle und Restaurant zu ergattern.

Festes Quartier, fester Rundkurs, Tagestouren – dafür werben die Harzer Gastgeber. Das gelingt.

Doch nur wer mit leisem Schritt, leichtem Tritt und ganz heimlich auf einen unbezeichneten Waldweg ausweicht, genießt den Harz wie er in den Sagen- und Märchenbüchern steht. Viel, viel Zeit mitbringen! Im Harz sollte der Weg das Ziel sein.

Wandern im Harz

Nutheniederung Trebbin – Kliestow

7. Mai 2019, gute 15 km Solo von Trebbin nach Kliestow. Auf der Suche nach der kleinen Nuthebrücke bis Polenzgraben und zurück. Nun wieder bei Kliestow ein Uferweg mit der gesuchten Brücke in die Niederung westlich der Nuthe, von dort bis Trebbin.

Jenseits der Löwendorfer Berge

Die April-Wanderung in die Löwendorfer Berge* endete mit einer Busfahrt. Jetzt bin ich auf Suche nach einem fortsetzenden Weg jenseits der Straße von Ahrensdorf durch die Nutheniederung bis Trebbin – in umgekehrter Richtung.

Panoramaweg Trebbin
Ein idealer Einstieg ganz in Nähe des Bahnhofs Trebbin: der Panoramaweg. etwas übertrieben betitelt, aber die Löwendorfer Berge liegen wirklich immer als Panorama vor Augen.

Kliestow, erhöhtes Land zwischen dem alten Lauf der Nuthe
Kliestow ist schnell erreicht. In Richtung Nuthe eine Sackgasse. Kleine Wege zwischen den Häusern. Ich frage an den Pferdekoppeln nach dem slawischen Burgwall, einem der berühmten entlang der Nuthe. Nie gehört.

Pferde in der Nutheniederung
Sollte jemand gewagt haben, auf einer historischen Erhöhung seine Datsche zu bauen? Nein – zumindest gehört das Areal nicht zum Burgwall. Ich werde gemaßregelt: der slawische Burgwall ist Privatbesitz. “Muss man wirklich überall Schilder anbringen?” Keins ist in keiner Richtung zu finden. Die Art der Zurechtweisung erinnert an  – Stasi? oder doch eher Zuzug, der ein LPG-Schnäppchen mit viel Maschinen-Altlast gemacht hat? Erst einmal bin ich bedient.

mittig der slawische Burgwall in der Nutheniederung bei Kliestow

Immerhin: der Blick auf den dicht bewachsenen Wall wird mir gewiesen. Auf dem Rundweg (alles privat, aber ich kann nicht fliegen) wieder an der Sackgasse…

Auf der Suche nach den Brücken

Artefakt, Gemarkung Kliestow
Im Dorf wird mir landesfreundlich der Weg zur Holzbrücke über die Nuthe erklärt. Irgendetwas mache ich in frustrierter Laune falsch, lande Richtung Luckenwalde.

Gemarkung Kliestow, Stein
Also querwaldein – auch hier überall die einstigen Wege abgeschnitten. Es geht trotzdem: Wald und Äcker liegen erhöht auf deutlichen “Sandern”, den Ablagerungen der Eiszeiten. Wie soll hier in Zeiten des Klimawandels etwas wachsen???

Gemarkung Kliestow, Stein
Ich gehe in den Traktorspuren. Wo ein slawischer Burgwall, dort finden sich auch Siedlungen. Diverse Rast- und Werkplätze sind in der Literatur als Bodendenkmale verzeichnet.

Gemarkung Kliestow, Stein
Wenige große Steine, aber auf manchem Ackerstück gibt es stellenweise kleine Artefakte.

Graben bei Kliestow

In der Nutheniederung kein Durchkommen auf den riesigen, feuchten Wiesenflächen. Die Wehranlagen der Gräben werden nicht mehr genutzt: Wiedervernässung der Niedermoore trotz dieser schrecklich begradigten Nuthe?

Wege zu Weiden gemacht
Ich lande am Polenzgraben, Betriebsgelände, Meliorationsanlage. Unbefugten Zutritt untersagt. Wozu? Vorwärts, rechts, links – nix geht. Ah – mitten im Unwegsamen ein Auto zurück bis zum Brückenabzweig: “Zu DDR-Zeiten wären sie bis zum Burgwall gekommen. Aber es wollten ja alle so. Die Stasi war auch nicht schlimmer.”

Brücke über die Nuthe nach Ahrensdorf

Ich schlucke. Weit hergeholt waren meine schon wieder verdrängten Gefühle vielleicht nicht. Aber wer ist wer, weiß ich nicht.
Der Weg – ein Stück ohne Weg – stimmt nun. Hinter dem bezeichneten Wall aus dem Nichts ein Uferpfad und rückwärts eine Brücke direkt nach Ahrensdorf.

Blick zum slawischen Burgwall Kliestow
Habe mir aber die Fußgänger-Holzbrücke in den Kopf gesetzt. Fast lande ich wieder bei Pferdeprivat. Bitte nur kein Wiederbegegnen. Direkt davor/dahinter, ohne seitlichen Zugang, biegt ein Uferweg ab. Zur Nuthe!

Uferweg an der Nuthe bei Kliestow
Holzbrücke in Sicht! Wir sind ein freiheitliches Land. Zum Glück.

Holzbrücke über die Nuthe
Nicht gesperrt. Die Wasserwirtschaft warnt: Betreten auf eigene Gefahr. Das ist zu sehen. Das kennen wir bürokratischer aus → Stützkow über die Oder.

Auf eigene Gefahr über die Nuthe

Die Nutheniederung westlich vom Fluss

Westliche Nutheniederung Richtung Löwendorfer Berge
Zauberhafte, wirklich Panoramablicke über die westliche Nutheniederung hinweg in die Löwendorfer Berge! Die Wege allerdings – auf Google maps noch deutlich auszumachen – unbegehbar versunken. Eine einzige, lenkende Spur.

Bergweg und Eiche bei Ahrensdorf
Dann ein als “Bergweg” bezeichneter Wanderweg: erst durch ein eigenartig total trockenes, kleinhügeliges Kiefernwäldchen, dann vorbei am Naturdenkmal Eiche. Der Hintergrund müsste bereits ein Ausläufer sein zur Hühnerfarm gegenüber des ehemaligen Jagdschlosses Berdotaris (1936 – 41 Hachschara, Stätte zur Vorbereitung für die Ausreise nach Palästina)**.

Stiefmütterchen
Ja, der Weg schrammt knapp vorbei zum Radweg neben der Straße nach Löwendorf. Ich verzichte auf das Zurück.

in der Ferne Aussichtsturm Trebbin
Durch die Wiesen wieder Richtung Nuthe, Höhe slawischer Burgwall. Nix zu sehen.
Der deutliche Weg verliert sich. Ich stehe in Wasser – unter trügerisch weißtrockenem Laub. Höchst zweifelhaft, ob hier ein Durchkommen ist.

Nutheniederung
Endlich einmal Froschquaken. Hier geht es nur in einer Richtung wild über den Damm.

Teich der Wasserwirtschaft an der Nuthe bei Trebbin
Aha, bisher floss neben mir nicht die Nuthe, sondern ein breiter Graben. Gefangen.

Zwischen Graben und Nuthe
Von oben winken alte Baumstämme verführerisch, doch der Blick landet immer wieder in diesem Graben.

Toter Baum an der Nuthe
In der Ferne ein wasserwirtschaftliches Werk. Manchmal zwischen den Bäumen auf dem gegenüber liegenden Ufer der Kirchturm von Trebbin.

Wehr bei Trebbin

Zielsicher geht es wohl noch nach altem Wege- und Gewohnheitsrecht über das Wehr. Schnelles Durchkommen gibt es also durch die Nutheniederung trotz der nicht einmal 5 km nur für Kundige. Diese Aussage eines Ahrensdorfers ist glaubhaft. Regulär oder erlaubt gar nicht.

kleine Fundstücke von den Äckern bei KliestowUnd die legendären Nutheburgen, die schon Fontane gesucht hatte? Von Einheimischen wird stets nachgesetzt: “…aber da ist nicht mehr viel zu sehen…” Sie alle hatten wohl schon immer TV und keine Großeltern, die aus längst vergangenen Zeiten erzählten. Vielleicht öffnet wenigstens der diesjährige Fontane-Hype auch noch Kliestower Augen.

Ein gesetzliches Betretungsrecht als Jedermannsrecht für historische Stätten oder besondere Naturschönheiten, für Uferzonen etc. hat das Land Brandenburg leider schon in gravierenderen Fällen vergeigt. Dabei brauchte und sollte es keine Autozufahrt mit Parkplatz sein und auch kein perfekt asphaltierter Radweg – im Gegenteil.

*siehe → Wanderung in den Löwendorfer Bergen, oberhalb der Nutheniederung

** Auch inzwischen privat. Dass das Haus verkommt, war bereits vom Bus aus zu sehen.

Adonisröschen und Bahntrassen

30. März 2019, ungeplantes Solo zu zweit: schaun wir mal an den Pontischen Hängen, ob die Adonisröschen blühen. In voller Schönheit! Dann eine Runde Lebus und bis Rosengarten mehrfach auf altem Gleisbett.

Das Odertal nördlich von Frankfurt/Oder

Durch die Auen, nicht auf Asphalt.

Bäume im Odertal

Borke der Silberweide

Silberweiden (Salix alba) zunächst als junge Kopfweiden, am Ende gespenstergleich, gequält von ständig brutalen Schnitten, knollig flehend. Letztes, wütendes Aufgebot mit neuen Spieß-Trieben.

Die Rinde der Weide enthält das schmerzlindernde und fiebersenkende Salicin: als würde der hoffnungslose Kampf gegen Krankheit und Tod in der tief gefurchten Borke zu sehen sein .

Zwischen Frankfurt und Lebus wären auch slawische Burgwälle zu finden. Unvorbereitet erinnere ich mich nicht an deren Lage. Die bewaldeten Hänge westlich der Oder sind jetzt nicht mehr zu erreichen. Aber der Schilfgürtel nach Osten sieht ausgetrocknet aus, dahinter ebenfalls viel versprechender Wald. Neugier bringt oft Ergebnisse.

Schilfgürtel
Hier nicht. Nur die alte Oder, vorgelagert der Strom-Oder…

die alte Oder
Also weiter bis der Wiesenweg an einer schmalen Stelle über ein Fließ abbiegt zu den verbuschten Moränenhügeln.

Odertal

Adonisröschen an den Pontischen Hängen

Noch vor zwanzig Jahren galt die Blütezeit der Adonisröschen von Ende April bis Anfang Mai. Heute leuchten schon von weit her die Blüten an den Trockenhängen.

Adonisröschen

Pontische Hänge mit Adonisröschen

Hang mit Adonisröschen

Adonisröschen
Unverwechselbar unterschieden zu der goldgelben Steppenpflanze auf dem grau wirkenden Trockenrasen blühen im satten Grün Scharbockskraut und gelbe Sternblumen – vergleichsweise miniklein. Veilchen in dunkel- und hellblau, weiß.

Mittagszeit. Ein Kaffee ist in Lebus nirgends zu haben. Wir entscheiden uns ohne Priesterschlucht und ohne Reitwein für eine Rückwegs-Erkundungstour nach Rosengarten. Eine unserer Fahrkarten gilt sowieso nur auf der Frankfurter Strecke.
Erst einmal eine Günter-Eich-Straße bergauf zum Friedhof und der deutschen Kriegsgräbergedenkstätte, die sowjetische am anderen Ende der Straße.***

Lebus

die Oder

Lebus, Kirche

Oder, mein Fluß,
in Tropfen sickert es
aus Gebirgen von Zeit,
Wasser, das nach Kindheit schmeckt.
Oder, mein Fluss,
eine Breite, um Holüber zu rufen,
ein November für Regen.
Schleier, über die Rübenäcker gezogen,
nicht unterscheidbar Wiesenufer und Bergufer,
Stimmen auf Buhnen und Treidelweg,
bei den strähnigen Weiden und Schilfrohr,
Glocken aus Frankfurt
und die Sagen der Reitweiner Berge,
die Fähre in Lebus
und das Haus rechts der Oder, wo ich
geboren bin.

Günter Eich 1907 – 1972, in Lebus geboren

Lebus, Burg

Am rechten Ufer steht nicht allzu viel. Dass Lebus aber nicht nur das kleine Städtchen um Kirche und Burgberg ist, ahnten wir nicht. Unendlich zersiedelt, zwischen keinem Siedlungshaus auch nur ein halber Meter frei gelassen in die freie Natur. Verwinkelte Sack-Wege – der historische Begriff Sackgasse verbietet sich angesichts der aneinandergereihten, piefigen Vorgärtchenkultur.

Auf Bahntrassen

Wir weichen auf ein altes Gleisbett aus. Die ätzende Eintönigkeit von Bahntrassen ist nicht zu leugnen. Eine Überraschung gelingt: der Frühling begleitet mit dem betäubenden Duft der Veilchen.

Eisenbahnbruecke

Nach langer Langeweile Stop. Tief unten fließt etwas. Mir ist in der Gegend kein Fluß bekannt. Wagehalsig ginge es zur Not über diesen mächtigen Viadukt. Aber ich hab das Trauma aus der Kindheit: Eisenbahnbrücke mit fehlenden Schwellen über die Unstrut. Unten ist ein Weg in Sicht.

Eisenbahnbruecke

Eisenbahnbruecke

Digital wird der Mühlengraben genannt. Den hab ich nicht als Fluss im Gedächtnis gespeichert und versumpft in Erinnerung. Auch würde ich nicht nach rückwärts links abbiegen, sondern westwärts vorwärts. Nun, wir sind zu zweit. Erkundung meint nicht immer wegelos und schon gar nicht die Suche nach Wegen. Der Stimme aus dem Nirgendwo habe ich nichts Beweiskräftiges entgegen zu setzen.

Aber im Nachhinein: die richtige Art des Wanderns bleibt für mich jenseits vorgegebener Routen. Mag sein, dass an “verlorenen Orten” manchmal die Zweifel von einer digitalen Führungsstimme ausgeräumt werden. In der Regel ist die Lenkung für den Fußwanderer nichts als einfallslos. Kleine Pfade, viele abenteuerliche Möglichkeiten bleiben unerkannt. Den Bullen auf dem Weideweg sieht die Stimme schon gar nicht.

Siehe da, wir geraten am Zusammenfluss von Altzeschdorfer und Booßener Mühlengraben wieder auf eine Bahntrasse, obwohl es nicht die gleiche wie über die Brücke sein kann.

Aktuell fließt so gut wie nichts mehr. Oder genauer gesagt: mehr als zu anderen Zeiten und an anderer Stelle mit ziemlicher Strömung. Millimeter noch, dann ist der Weg weg…

drohende Ueberschwemmung

Berghang bei Wüste-Kunersdorf

Wir stehen am Berg. Es duftet nach Almwiese, dort immer weiter westwärts. Doch ich beuge mich der eigenartig anderen Richtung – vom Booßener Wald ist gleich nichts mehr in der Ferne zu sehen.
Quer übers Feld, dann ein tief liegendes Gleisdreieck, das die beiden unterschiedlichen Strecken erklärt. Nachgelesen: es müsste eine Bahnstrecke Küstrin-Kietz über Lebus nach Frankfurt gewesen sein, seit 1996 stillgelegt und 2006 erst die Schienen demontiert. Ja, der Beton an den Strecken sah nicht alt aus. Die zweite Strecke dürfte “Grube Vaterland” (gewesen) sein.
Wir marschieren zur Straße. Dort stoßen wir auf die vertrauensvoll angepeilte Komoot-Route.


Omma versteht weder Welt noch Weg. Sind wir richtig? Immerhin Kliestow. Da war ich noch nie. Wieder ein toller Viadukt – was für ein Aufwand für diese einstigen Nebenstrecken!  Das tiefe Tal des Schlossparkes (das Schloss als Ruinensilhouette), Straße, Feld. Ein runder Hügel im flachen Land. Eine Motte! Mit Ring, Graben, Einfahrt von Osten. Ich krauche begeistert im Gebüsch. Nur meine Aufzeichnungen zu Haus bestätigen es nicht. Diese eindeutig künstliche Hügelformation am Kleinen Kliestower See ist nicht der erwiesene Burgwall nordöstlich von Kliestow. Eigenartig – wie eine Abraumhalde von einem der einstigen Kohlebergwerke dieser Gegend sieht es auch nicht aus.

Rätsel der Vergangenheit bei Kliestow

Omma nervt mit erneuten Zweifeln am Weg. Zwei Bahnbrücken.

Kulturhaus Völkerfreundschaft, Deutsche Reichsbahn

An der Straße Birnbaumsmühle: das “Kulturhaus Völkerfreundschaft” 1952-1954 für die Deutsche Reichsbahn erbaut.  Wir ziehen zunächst Architektur des dritten Reiches in Betracht…

Straße durch die Nuhnen-Vorstadt, vorbei an einer Stasi-Aufarbeitungszentrale (riesig, sicher sicherer Arbeitgeber in der Sicherheitsnachfolge), eine gesprengte Bahnbrücke – ja, sieht auch aus wie vor- und frühgeschichtlicher Hügel. Chaussee bis zu einer Kreuzung in den Booßener Wald – da ist er also. Wir müssen links nach Rosengarten. Stolpern besser übers Feld als unter Räder zu kommen.

Erratischer Block

Zwillingsstein, Rosengarten

Am Ortseingang Rosengarten noch eine Entdeckung: durch Frostsprengung zweigeteilter “Zwillingsstein”. Ablage in der Weichseleiszeit vor ca. 18 800 Jahren, grobkörniger bis porphyrischer Granit mit Gneisxenolithen. Ca. 70 Tonnen, in der Liste der größten Findlinge Brandenburgs auf Platz 18 (3,65 x 4,85, ca. 2,50 m tief).

Und im Kopf hab ich jetzt eine wunderbare Wanderstrecke per pedes: anders entlang…

***zu Kriegsgräber-Gedenkstätten auf einer → Extraseite

Richard Dehmel und Kremmen

27. März 2019, Solo in und einmal um Kremmen herum mit Extraseiten
a)  zum Friedhof Kremmen und b) zum Bootshausviertel von Kremmen

In der historischen Altstadt Kremmen habe ich das besichtigt, was neben dem Scheunenviertel*** meist zu kurz kommt. Doch mein Wandern soll keine Stadtführung werden. Also Bericht ab Ruppiner Chaussee Richtung Sommerfeld. Links führt der Dehmelweg ins Abseits der “schönen wilden Welt” des Richard Dehmel (1863 – 1920). Ein Dichter, den angeblich kaum noch jemand kennt. Mag sein. Aber die Gedichte von Paula Dehmel, seiner ersten Frau, kannten die Bilderbuch-Kinder in der DDR und davor bereits die aus den Kindergärten in der Tradition von Fröbel und Henriette Goldschmidt. Der Name “Dehmel” hat sich mir früh eingeprägt und später in eine schöne wilde Welt aufgefächert. Nun also speziell in Gedanken an Richard Dehmels Gedichte, die wie so vieles in jedem Leben aus der Kindheit her rühren. Einzelne seiner Sätze, kurze Zeilen aus dem Zusammenhang gerissen, so wie erst aus der Summe der erlebten Landschaft und des ganzen Lebens ganze Gedichte entstehen.

Schöne wilde Welt

Märzlied

Im März,
da gruneln die Dornen am Zaun.
Im März,
da fängt der Fuchs an zu rauhn.
Im März,
über Deutschlands Äckern und Aun,
da fliegt durch Wolken und Licht und Sturm
eine erste Schwalbe von Turm zu Turm:
wird Frühling?

Kremmen, versunken im Sumpf

und wieder kreisen
um mein klirrendes Fenster
die öden Wiesen

Kremmen, Luch mit zwei beim Tanz gestörten Kranichen
… und von der Erden
ringt jung ein Duft
sich durch die Luft: –
will’s Frühling werden?

Kremmn, Gräben oder Moor

Schrill winselt’s im Schilf, hohl röchelt’s im Rohr.

zwischen Schilf und Rohr

Hui! zischt es und pfeift’s in den Binsen.

zwischen Kleiner Graben und Kremmener Rhin

der Wind weint in den Bäumen:
wir träumen – träumen

zum Kremmener See

im grauen Wasser, schwarz, verschwand
der starren Weiden zitternd Bild.
Und knirschend stieß der Kahn ans Land

Wald- und Seegut Kremmen, am See

wo sind die Bienen

Es ist nun einmal so,
seit wir geboren sind;
die Blumen blühen wild und bunt,
wir aber mauern Wände
gegen den Wind.

Kremmen, Luch - Lehrbuch der Zentralperspektive

Milchviehanlage Kremmen, Asylbewerberheim
Schwalben hab ich noch nicht gesehen, aber der Storch flog niedrig über meinen Kopf und die Kraniche tanzten – leider gestört: ich konnte nicht ausweichen.

Auf der Suche nach dem alten Forsthaus

Richard Dehmel, als Sohn eines Försters bei Wendisch Buchholz geboren, verbrachte seine Kindheit in Kremmen. Der Vater hatte die Stelle des Stadtförsters inne. Logisch erwarte ich das alte Forsthaus am Dehmelweg. Ein einziges Haus käme in Betracht, vom Jugendstil beeinflusst, der ist nur noch zu ahnen. Was fehlt, ist der in manchen Biografien erwähnte Eichenhain um das Haus. Nichts als Bruchwald, Sumpf, Luch, Gräben – also die eben gesehenen Bilder.

Kremmen, Dehmelweg

“Dort wo die Russen ihre Munition abgeworfen haben?”** – eher eine eigenartige Frage als eine Antwort. An weiteren, zu befragenden Menschen mangelt es. Spärlich sind die Angaben zur Lage des elterlichen Forsthauses: an der Straße nach Sommerfeld. Am genauesten im illustrierten Literaturführer durch die Mark Brandenburg von 1998: Ruppiner Chaussee 60a. Das Haus am Hörstegraben würde heute noch als Dehmel-Haus bezeichnet. 1998 ist lang her.

Es könnte das kleine Haus mit der breiten Toreinfahrt gewesen sein. Eichen fehlen, vielleicht haben die Besitzer der beiden anschließenden Häuser tüchtig gefällt.

..der Wind:

Ein Häuschen umheult er am Heiderand
und schüttelt die Pfosten der rissigen Wand
und reißt an den Haspen und Sparren,
dass sie kreischen vor Frost und knarren


Nee, mir soll meine Romantik nicht abhanden kommen. Der Waldweg jedenfalls erinnert an forstmännisches Wirken.

Gegen den Hörstegraben ein Damm – oder Militärisches? Bei Kremmen gab es wenig bekannte, verlustreiche, letzte Gefechte Ende des Zweiten Weltkrieges.
Dann: ich traue meinen Augen nicht: egal was es jemals war – für mich IST ES DAS, das alte Forsthaus im Eichenhain.


Einmal von der rechten Seite…

und einmal von der linken Seite.

Die kleine Brücke verrammelt. Ich muss zum nächsten Übergang des Hörstegrabens, dort zurück.
Der Wald steht voller Buschwindröschen, an einigen Stellen bereits als leuchtender, weißer Blütenteppich.

Traumhaus
Das Haus ist nur über Wiese zu erreichen. Spaziergänger aus den Lauben oder Wochenendhäuschen kennen es nicht. Gut so.
Bitte für eine zweite Ansicht auf das Bild klicken – ich konnte mich nicht entscheiden – ich bin verliebt; ein drittes Bild öffnet hier in einem neuen Fenster.

Haus der Träume

Lied an meinen Sohn

Der Sturm behorcht mein Vaterhaus,
mein Herz klopft in die Nacht hinaus,
laut; so erwacht ich vom Gebraus
des Forstes schon als Kind.
Mein junger Sohn, hör zu, hör zu:
in deine ferne Wiegenruh
stöhnt meine Worte dir im Traum der Wind.

Einst hab ich auch im Schlaf gelacht,
mein Sohn, und bin nicht aufgewacht
vom Sturm; bis eine graue Nacht
wie heute kam.
Dumpf brandet heut im Forst der Föhn,
wie damals, als ich sein Getön
vor Furcht wie meines Vaters Wort vernahm.

Horch, wie der knospige Wipfelsaum
sich sträubt, sich beugt, von Baum zu Baum;
mein Sohn, in deinen Wiegentraum
zornlacht der Sturm – hör zu, hör zu!
Er hat sich nie vor Furcht gebeugt!
horch, wie er durch die Kronen keucht:
sei Du! sei Du! –

Und wenn dir einst von Sohnespflicht,
mein Sohn, dein alter Vater spricht,
gehorch ihm nicht, gehorch ihm nicht:
horch, wie der Föhn im Forst den Frühling braut!
Horch, er bestürmt mein Vaterhaus,
mein Herz tönt in die Nacht hinaus,
laut – –

Richard Dehmel besuchte in Kremmen die Schule. Quer durch die Wiesen ist es nicht weit bis zum Kirchplatz, vielleicht sogar schneller als inzwischen der Weg bis dorthin aus dem Neubauviertel. Die Kirchenglocken klingen ganz nah.

Die alte Schule gegenüber der Kirche ist zum großen Mietshaus umgebaut. An den sicherlich schönen Ziegelbau erinnern noch die Tore.

 

**→ von wo die Munition gekommen ist

Ergänzend die → Friedhöfe der Stadt Kremmen im Ortsteil Orion

*** das berühmte Scheunenviertel ist touristisch erschlossen. Sehr viel jünger, aber mich ähnlich beeindruckend, fand ich die noch unverfälscht originalen ‎→ Bootshäuser am Stichgraben zum Kremmener See.

Neun km Berlin mit Roller

18.03.2019 Jahresversammlung Wandersportverein Rotation Berlin e.V., 9 km von Taut zu Taut, durch Böcklerpark, Görlitzer Park, Schlesischen Busch, Spreeufer, Rummelsburger Bucht, Max-Taut-Schule in der Fischerstraße

Berlin, in West und Ost geteilte Spree
In West und Ost geteilte Spree. Dort die Eastsidegalerie: aus meiner Sicht ein Stück “Kolonisation”. Es gab hier immer nur weiße, erst nach der Wende bemalte Sperrelemente ohne Rohr, dahinter Lagerhallen vom Osthafen, erbaut 1913 und auch während der DDR-Zeit in Betrieb. Ein anderes Thema ist das bittschön öffentlich zugängliche Ufer.

Täglich vor Augen das denkmalgeschützte Hauptkinderheim von Max Taut, 1963 entworfen, heute ein Komplex zusammen mit der zinnoberroten Waldorfschule in der Berliner Ritterstraße, zeitweise ähnlich oft vorbei gegangen an Max Tauts Warenhaus der Konsumgenossenschaft am Oranienplatz – heute an der Ecke das fsk-Kino mit besonderem Programm – da nutze ich die Gelegenheit, nach bereits jahrelangem Einigeln gegen den Ausverkauf von Berlin: schaun wir mal…

Mein Berlin?


Kreuzberg scheint das alte zu sein, wenn ich ausblende, dass eben dieses Konsumkaufhaus von Taut irgendwann verkauft wurde. Entsprechender Ärger mit Atelierkündigungen geisterte durch die Presse. Keine Ahnung wie es endete. Wim Wenders wohnte an die 10 Jahre dort, es entstand sein Film “Himmel über Berlin” – alles schon nostalgisch.
Böcklerpark wirkt noch wie eh und je. Das Eckhaus in der Kohlfurter flaggt noch immer Widerstand gegen alles. Der Görlitzer Park sieht so aus wie ich mir Afrika vorstelle – Afrikaner ohne Arbeit.


Am Schlesischen Busch überschreite ich die Grenze nach Treptow – schon vor der Wende ein gepflegter Stadtteil. Nur die Spree war auf diesem hier sichtbaren Stück noch nicht zugänglich. Der Molecule Man des amerikanischen Bildhauers Jonathan Borofsky am Schnittpunkt der drei Ortsteile Kreuzberg, Treptow und Friedrichshain ist also eine Art Enheitsdenkmal, zeitnah 1999 geschaffen und voraus schauend: es wird ziemlich geschoben und gedrückt und gezerrt…


Wie es hier einst aussah, hab ich nur in meiner Erinnerung gespeichert.  Täglich mit der S-Bahn über die Spreebrücke und in der Kurve Ostkreuz vorbei an der Stralauer Glashütte,  19. Jahrhundert-Backsteinbauten einer Brauerei und in der Ferne der Speicher. Stralau war Fischerinsel, besiedelt von der Steinzeit über die Bronze- und Eisenzeit bis ins Mittelalter – die Spitze der Insel ein geheimnisvoller Ausflugsort. Was davon übrig blieb – ich möchte hier nicht noch einmal entlang gehen…

Stralau und Rummelsburger See


In der Rummelsburger Bucht anstelle romantisch verfallener, alter Zillekähne mit Geranien aktuell alles global bunt. Das Jugend-Freizeitschiff ist verschwunden.


Auf Facebook gefunden: „wir kündigen an, uns erhoben zu haben und wir machen es … sichtbar“.  “Berlin ist unser Zuhause und bleibt uns wichtig! Daher tragen wir eine Mitverantwortung für diese Stadt und sollten sie nicht länger ausbluten lassen.” Die Grafik von Käthe Kollwitz “Ins Wasser” kommt mir in den Sinn. Unser Wohlstand hat unter Umständen humanere Freiheiten.


Der “Wasserpark” hat nirgends Park gelassen. Von den Preisen der Luxuswohnungen ganz zu schweigen. Vielleicht sind manche aber sogar durchmischt dank sozialer Leistungen – wer zu spät kommt, den beglückt manchmal das Leben. Ich sympathisiere mit dieser Initiative “gegen den Bebauungsplan Ostkreuz”. Aber schaut auf dieses Ufer – es dürfte hoffnungsloser Widerstand in dem angeblich “grünen” Berlin sein.


Es ist eben etwas anderes, Bäume zu zählen, Gebüsch abzuholzen, um Drogenverstecke zu verhindern oder mit Kindern auf einer Wiese am Ufer zu liegen. Na ja – der Treptower Park – schon mal an einem sonnigen Tag dort gewesen???, also wie ein chinesischer Badestrand ist es noch nicht ganz.

Max-Taut-Schule

Max Taut bedeutet soziales Bauen. Der riesige Schulkomplex Ecke Schlichtallee/Fischerstraße wurde nach einem Wettbewerb 1927 nach Plänen von Max Taut als Pilotprojekt in der Weimarer Republik umgesetzt.

Städtisches Bauland war sichtlich noch kein Problem. Ein Jahr nach Fertigstellen der Schule 1932 gab es ein anderes Problem. Max Taut wurde von der Beteiligung an allen öffentlichen Bauvorhaben ausgeschlossen.


Für diese Fotos und für einen geringen Sportvereins-Jahresbeitrag anstelle einzelnes, fast gleich “günstiges” Wander-Ticket neun Kilometer durch die Stadt gerollert.
Nee, zurück hätt ich mich in der aufkommenden Dunkelheit durch die Parks nicht getraut. Außerdem: strömender Regen in Kreuzberg.
Aber: die Stadt-“Fahrt” 18. März hat sich gelohnt.
18. März 1848: Die Märzrevolution endet auf den Barrikaden – der lange Weg zu Freiheit und Demokratie…
Ich übernehme die Forderung aus der Petition “Rummelsburger Bucht retten!”: Gegen den Ausverkauf der Stadt!
Und das meint mehr als bezahlbare Mieten.

Grad entdeckt, 15.03.19 rbb:  → Rummelsburger Bucht Bürgerinitiative stellt alternativen Bebauungsplan vor.
Lesenswert auch die Kommentare.

→ B-Plan Rummelsburger Bucht

Zum 1. Mai 2019
Berliner Bezirksverordnete für Aquarium statt Bäume

29.4.2019: Bezirksverordnete in Lichtenberg stimmen für Bebauungsplan Rummelsburger Bucht!
Für wen sitzen diese Berliner in der Bezirksverordnetenversammlung?

29.4.2019 Bezirksverordnete stimmen für Bebauungsplan Rummelsburger Bucht!
Vergrößerung mit Klick ins Bild

Sind diese Abgeordneten überhaupt Berliner? Mit Herz und Verstand keinesfalls.
Diese Abstimmung der Lichtenberger richtet sich auch gegen Friedrichshain-Kreuzberger!
Wo sitzen / leben diese Abgeordneten an klimaheißen Sommertagen?
Wie soll auf der “Dialog-Plattform Aquarium” über Zukunft geredet werden, wenn die Natur bereits platt gemacht ist? Korallen an der Rummelsdorfer Bucht erhalten keine Korallen in den Weltmeeren. Im Gegenteil!

Was für kurzsichtige, kleingeistige und neoliberale Vorstellung von Zukunft haben diese Entscheider?
Soll Berlin hier noch mehr und wie überall auf der Welt aussehen?
Diese Abstimmung richtet sich gegen die Zukunft meiner Enkel!

 

Die Gerechten von A.

4. März 2019, Solo von Angermünde nach Zuchenberg, zur Adlerquelle am Wolletzsee und zurück durch den Buchenwald.
Aber eigentlich ist es eine ganz andere Wanderung:

Die Sehne am Fußknöchel warnt. Der Wetterbericht warnt. Trotzdem möchte ich etwas „sehen“. Etwas, was ich beim üblichen Wandern nicht gesehen habe und nie gesehen hätte.

Angermünde vor den Toren

Angermünde - der Stolz seiner Bürgerinnen und Bürger
Angermünde aus dem Bilderbuch – der Stolz seiner Bürgerinnen und Bürger

Ins Bilderbuch-Touristenstädtchen mit dem Prädikat „Staatlich anerkannter Erholungsort“ geht es vom Bahnhof aus geradewegs. Das Internet bietet dazu → Angermünde von A – Z. Wer Richtung Wolletzsee und Blumberger Mühle wandert, geht aber durch den Bahntunnel. Für Angermünder ein täglicher Weg in ihre farbenfrohen Neubauten, notgedrungen mit unausweichlichem Blick auf einen immer stärker verfallenden Ziegel-Fachwerkbau. Trotzdem, seit jeher erfreue ich mich an seiner unverfälschten Patina.

Angermünde, hinter dem Bahntunnel
Angermünde, hinter dem Bahntunnel

Die Häuserfronten Puschkinstraße erstrahlen neu. Vielleicht bin ich zu früh gekommen. Vielleicht aber gerade noch richtig, um im März 2019 zu sehen, wie manches jenseits von offizieller Förderung aussieht, denn es tut sich etwas. Vielleicht gehören die neuen Gitter im oberen Bild dazu.

Angermünde, Puschkinstraße 3, Durchgang
Angermünde, Puschkinstraße 3, der Durchgang

Zwischen Puschkinstraße 3 und 4 ein schmaler Durchgang. Rechts alte Backsteinbauten, links die lange, fensterlose Hausmauer des angrenzenden Mietshauses und ein Anbau Eigenheim. Am Ende des Ganges ein kleiner Backsteinbau und eine Gedenktafel.

Angermünde, jüdischer Friedhof
Angermünde, nein, nicht die Feuerwehr, sondern der jüdische Friedhof – alles neu  in nettem Bildausschnitt

Die Lichtverhältnisse sind leider wie der Wetterbericht, einige Fotos ebenso. Will ich hier eigentlich scharf sehen? Ja. Bevor ich weiter wandere  → der Link zu meiner dokumentarischen Extraseite, die mir am Herzen liegt. Gewidmet den Gerechten von A.*** bis Z.

Fachwerkhaus des Sirup-Fabrikanten Klatt
Fachwerkhaus des Sirup-Fabrikanten Klatt

Dann die Birkenallee mit noch weit entferntem, aber unmittelbar mit dem Friedhof zusammenhängendem Ziel “Adlerquelle”, vorbei am klinisch sauberen Schnuckiputzi-Ehm-Welk-Literaturmuseum. Im Vorfeld noch etwas traurig – aber man kann in Angermünde wirklich nicht an alles denken oder alles finanzieren… auch wenn andere → den zähen Sirup einer einseitigen “Stadtkernförderkur” anmahnen.

Ein kleines Stückchen Uckermark

Wellblechdach im Baum
Betäubender Krach: das Wellblechdach hängt im Baum

Sternfelder Straße, am Park Flucht vor alles mit sich reißenden Sturmböen. Graupel. Später knallen auch die Regentropfen schneeballhart ins Gesicht. Geradlinig ginge es hoch zur Gehegemühle, aber alle Wege überackert, die Felder durchweicht. Die Straße nach Zuchenberg zieht sich. Das Wetter verzieht sich nicht.

Junggesellenschwäne
Die versammelten Junggesellenschwäne (nachzulesen in Fontanes Wanderungen)

Am Gut biegt der markierte Weg rechts ab – sanft schmiegt sich Hügel an Hügel. Doch: Zuchenberg liegt auf Bergen! Zum Wolletzsee geht es steil hinunter durch den Wald. Und vorher:

Wetterwechsel!
Unglaublich, dieser Wetterwechsel!

Die Adlerquelle am Wolletzsee

Adlerquelle am Wolletzsee

In strahlendem Sonnenschein die Adlerquelle am Wolletzsee. Ein Teil der Grabsteine des Angermünder jüdischen Friedhofs wurde zur Befestigung der Quelle verwendet – wahrscheinlich zeitlich nicht allzu lange vor dem jetzt sichtbaren Zustand. Haus des Lebens oder Wasser des Lebens. Vielleicht ist der Ort tröstlich.

An der Adlerquelle

An der Adlerquelle
Umdrehen kann ich die wenigen einzelnen Steine nicht. Einmal eine Kante mit ungewöhnlichem Profil, aber Zeit und Wasser haben wohl alles verschliffen.  Letztes Verwischen der Erinnerung an die Erinnerung.


Das Memento mori der Steine.
Zeitenwende: vom Grabmal seit Urzeiten zum Riesenspielzeug in Schlachten und zum steinernen Herzen im pflegeleichten Vorgarten.

Es reicht

Buchenwald am Wolletzsee
Buchenwald am Wolletzsee

Den Wolletzsee zu umrunden werde ich zeitlich nicht schaffen. Ich kenne die Strecke, biege an der Verzweigung Altkünkendorf – Luisenfelde scharf nach links. Das Weltkulturerbe Grumsiner Forst scheint strenge und enge Grenzen zu haben: die Forstwirtschaft ist zu Gange. Tief eingefahrene Spuren weisen die richtige Richtung zurück nach A. Der Stolperfallenweg endet als Maschinenspur urplötzlich auf dem Berg.

Gipfelkreuz für ca. 100 Meter
Gipfelkreuz für ca. 100 Meter

Immerhin ein steineres “Gipfelkreuz” – wer weiß, was ich für einen Hunderter bestiegen habe… Der Buchenwald hat zu dieser Jahreszeit den Vorteil der Durchsichtigkeit. Die Gefahr kleiner Tümpel kalkuliere ich ein.

Tümpel im Wald am Wolletzsee
Tümpel im Wald am Wolletzsee

Außer total steilem Auf und Ab auf allen Vieren geht alles gut.
Frühlingsluft. Ein intensiver anderer, einmaliger Geruch steigt mir in die Nase. Als Frau kenne ich den zu gut: Blutgeruch, wie er für alle Säugetiere charakteristisch ist.
Dann rot leuchtend – ich bin altersbedingt eher weitsichtig…

Blutgeruch
Rehbock. Beeindruckend in den Bilddetails → mit Extraansicht!

Keine Ahnung, wie solche Verletzung zustande kommen kann. Kein Kehlbiss. Trotzdem ein Gefühl, dass ich hier beobachtet werde. Oder hab ich zufällig auf dem Hinweg das schlechte Gewissen von zwei Hundehaltern (gerade nicht haltend) beobachtet?

Nein, nicht noch einmal hinunter, sondern nach rechts
Es reicht. Nein, nicht noch einmal hinunter

Es reicht. Kurz auf einer wenig befahrenen Straße, abseits stoße ich wieder auf den Wanderweg von Zuchenberg. Mein Credo: nirgends zweimal. Also am Feldrand entlang – ich will Licht.

4. März 2019, nach Sturm und Graupel in der Uckermark bei Angermünde
Im Wolkenwind grelle Farb- und Schattenspiele

Quer über lehmschwere Felder, glücklicher Weise ein Brett mit Geländer über einen meliorierten Bach – ach, das ist der unerreichbare, von Sternfelde aus sichtbare Gehölzstreifen und schnelle Weg zur Gehegemühle.

Kraniche am Himmel
Kraniche am Himmel

Wolken und Kraniche in Bewegung. Wieder in Sternfelde, schräg nach Angermünde durchgewuselt. Blöd am Stadion vorbei – das wäre nur aus Richtung Blumberger Mühle abgekürzt gewesen. Am Bahnhof seit 17 Uhr wieder ein kleines Unwetter.

Neues Unwetter in Sicht
Neues Unwetter in Sicht

***in Erinnerung an den vielsagenden Titel eines Buches von Ehm Welk

Ein kleines Stück Oder und Odra

Erinnerungstest. 6. Februar 2019, insgesamt 18 km von Oderberg im Solo zu zweit auf sicherer und sauberer Variante an der Alten Wriezener Oder bis zum ausgeschilderten, rechtwinkligen Abzweig Hohenwutzen. Über die Grenzbrücke mit sinnlos verbautem Zugang zum Oderufer und zum westlichsten geografischen Punkt Polens, an der Odra bis Stary Kostrzynek (Alt Küstrinchen), durch die Felder zum Góra Czcibora mit Denkmal für die Schlacht bei Zehden im Jahre 972.

 

Alte Eisenbahnbrücke bei Hohensaaten

Wikingerlandnahme

Erinnerungen: an weite, unvergessliche Strecken mit dem Wandersportverein Rotation Berlin, an verfallende Häuser meiner Sehnsucht – inzwischen Refugien von Naturliebhabern. Erinnerung hier an der Oder wie westlicher nirgends mit so sichtbaren Spuren an nicht den letzten, aber den im Gedächtnis haftenden Krieg und die Nachkriegszeit.

Blick nach Polen

Von der Oder zur Odra

Die Oder oder Odra. Mit weiblichem Vorzeichen und friedlich fließt der gewaltige Strom inzwischen als Grenze zwischen Deutschland und Polen. Ich fühle mich sicher als Fremde in der Begegnung mit den Menschen, die mir in dieser Gegend nicht fremd vorkommen.

Westlichster geografischer Punkt von Polen

Krieg oder Sozialismusverfall, das ist hier die Frage

Ja, das ist die Odra und nicht die Oder. Oder beides. Nur selten und mit Mühe künstlich eingezwängt und ohne sich in die Auen auszubreiten. Pures Silber in der Sonne.

Oder / Odra: Silberwasser

Letzte Schneereste an der Odra

Farblich höchst lebendig grüsst das Kirchlein von Alt-Küstrinchen vom Berg. In meiner Erinnerung geistert ein Bericht vom Wiederaufstellen alter deutscher Grabsteine in diesem Stary Kostrzynek auf Grund einer katholischen Initiative – aktuell von mir in Verbindung gedacht zur geplanten Entwidmung von Friedhöfen durch die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Von einem Friedhof ist im Umkreis nichts zu entdecken – vielleicht was verwechselt…*

Kirchberg Stary Kostrzynek (Alt Küstrinchen)

Hochfläche Richtung Calluna-Sandheide Zehden

Sehr viel besser als Namen malt meine Erinnerung die Landschaft. Von GPS sollte ich mich hier nicht verunsichern lassen, von der tickenden Uhr bin ich es. Die einst wohl beackerte Hochfläche hat bereits ganz den Charakter der dahinter liegenden Calluna-Sandheide. Nun gut, auf den treppensteilen Góra Czcibora jappsen wir noch, damit der westlichste geografische Punkt von Polen auch historisch erklärt und geehrt ist.

Himmel über der Oder / Odra

Denkmal der Schlacht bei Zehden, Polen

Die Zeit des Wanderns und die Zeit des Fahrens mit öffentlichen Verkehrsmitteln von meinem geografischen Mittelpunkt Berlins zum geografischen, westlichsten Punkt Polens halten sich leider die Waage: Berliner U-Bahn bis Gesundbrunnen (Rückfahrt mit unregelmäßigem Verkehr wegen Ausfall alter Wagen…), Bahn bis Angermünde, Bus bis Oderberg. Mit Dank an meine Begleitung für die smarte App-Führung zu einer zeitnahen Rückfahrt von Hohenwutzen nach Bad Freienwalde, Werneuchen etc.

Eine direkte Verbindung von Berlin Rhinstraße bis Hohenwutzen ist einem Sonderbus vorbehalten – freilich nur direkt zum “Polenmarkt” am Ufer der Odra. Voll besetzt braust er in Hohenwutzen an uns vorüber.

Und: irritierend derzeit parallel zur Oder auf deutscher Seite ein Trassenbau Pipeline.
Zu queren ist das auf wilden Wegen nicht.

*nein, nix verwechselt, auch die aktuelle Pflege des Friedhofs dürfte irgendwo zu finden sein.

Gefrorenes Feld

Solo von Werneuchen bis Bernau vier Stunden unter Umgehen jeglichen Waldes ausschließlich! über gefrorene (ab 13 h aufgeweicht) Felder in strahlender Sonne  plus am Anfang (früher ging es gleich über die Schienen) und am Ende insgesamt etwa eine Stunde auf unausweichlicher Straße: ca. 20 km

Vier Stunden pur Feld

Schneegraupel
Schneegraupel auf dem Weg. In der Ferne Wolkenberge
Steinhart gefroren
Steinhart gefrorene Ackerfurchen
Richtung Willmersdorf
Richtung Willmersdorf
Vor dem Wald die Kraniche
Vor der kleinen Waldecke still und ruhig eine Ansammlung von Kranichen. Obwohl ich weiträumig umkreise, bin ich bemerkt.
gen Papenpfuhl
Langsam ziehen die Vögel gen Papenpfuhl, dann ein kurzer, niedriger Flug. Ab und zu einige Rufe.

Aus der Nähe gesehen bei Willmersdorf

Herdentier nimmt Kontakt auf
Sichtlich echt naturnahe Gewinnung von Energie aus Boden, Wasser, Luft. Aber für mehr als zwei Schafe reicht es nicht mehr auf dem Land.
Das ist der Daumen - der pflückte nicht die Pflaumen
Da war kein Daumen, der pflückte die Pflaumen
Fundehand
Fundehand
Ja, ja: da lang
Ja, ja: da lang. Nee, auch Windräder. Also weiter Kirschenweg Willmersdorf

Der Weg der weinenden Kirschbäume

Kirschenweg Willmersdorf
Knorrig und gequält auf dem einsamen, einzigen Weg Richtung Nord. 5 m mal 1 km Naturschutz
Diamanten aus Blut und Tränen
Diamanten aus Blut und Tränen
Kirschenweg Willmersdorf
…einen ganzen, langen Weg entlang
Kirschenweg Willmersdorf
…bis die Windräder alles in Beschlag nehmen
Kirschenweg Willmersdorf
Die weinende Maske
Kirschenweg Willmersdorf
Die letzten Bäume

Windpark-EntsetzenDie Windräder nehmen nach Willmersdorf kein Ende mehr. Ein Habicht kreist dazwischen, ich möchte gar nicht hinsehen. Um Haaresbreite drückt er sich mehrmals aus dem Sog der rotierenden Flügel. Das Radio meldet gerade jetzt beim Bloggen einen verletzten, irgendwo auf der Straße hüpfenden Raubvogel.
Planierungen lassen vermuten, dass im Windeignungsgebiet Willmersdorf – Tempelfelde weitere Windräder aufgestellt werden. Mein Fotohandy streikt. Aber wie saubere Energieerzeugung flächendeckend aussieht, wissen wohl die meisten (nicht).
Augen zu und durch bis Bernau.
Am Waldrestrand sogar eine Wegmarkierung gelber Querstrich. Geführt sind Wanderer leicht zu betrügen mit scheinbar intakter Natur.

Marathon der Glückshormone

10. Januar 2019, egal wie viele Kilometer, aber 5 Stunden und pro Stunde 3.600 Augenblicke des Glücks auf und neben dem W 70 im Fläming-Winterwald

Medewitz am 10. Januar 2019, 10:30 h. Copyright K.G.Brandler
Medewitz am 10. Januar 2019, 10:30 h

Berlin Moritzplatz: hier fängt der Tag niemals lustig an und er hört hier nicht lustig auf.
Berlin Alexanderplatz: Das Gestreusel auf meinem Laugengebäck reicht für das Glück des ansässigen Starentrupps. Stare sitzen auf meinem Rucksack, neben mir auf der Bank, picken mir aus der Hand. Ihr Glück wird mir hold sein – ich weiß es nun.
Brück, Baitz, Belzig: längst scheint die Sonne am strahlend blauen Himmel. Hoffnungsfroh registriere ich die kleinen Schneereste an den Bahndämmen.
Ab Borne: Zu zarten Mintgrünflächen hat der Schnee Wiesen und Felder überzuckert.
Medewitz: Es ist Winter in den rund 150 Meter hohen Bergen! Jetzt ohne Ziel und ohne Absicht einfach nur jeden Augenblick des Glücks genießen!

 

Medewitz: Schranke öffne dich!

Schnee in Medewitz. Copyright K.G.Brandler

Medewitz, bis die Schranke hoch geht. Copyright K.G.Brandler

Medewitz, Wanderwege 70 und 71

 

Die Springer Rummel südlich

Die Springer Rummel. Copyright K.G.Brandler

Die Springer Rummel. Copyright K.G.Brandler

Die Springer Rummel. Copyright K.G.Brandler

Die Springer Rummel. Copyright K.G.Brandler

Die Springer Rummel. Copyright K.G.Brandler

Die Springer Rummel. Copyright K.G.Brandler

Die Springer Rummel. Copyright K.G.Brandler

Die Springer Rummel. Copyright K.G.Brandler

Die Springer Rummel. Copyright K.G.Brandler

 

Kleinste Schätze an großen

Moose am Reichhelmstein im Fläming. Copyright K.G.Brandler

Moos am Elefantenstein im Fläming

Flechten und Tropfen. Copyright K.G.Brandler

Moospolster, blaugrün. Copyright K.G.Brandler

Gemeines Weißmoos. Copyright K.G.Brandler

Lebermoos. Copyright K.G.Brandler

Lebermoos

In Gedanken und mit herzlichem Gruß an das → Bergwaldprojekt, an Katarina, die so begeistert war von den Moosen im Labyrinth, an denen ich vorüber gegangen war mit Blick nur für große Spalten, an Katja, das schlaue Füchslein, und Veronika aus Biberach, die gar nicht wissen können, wieviel ich profitiert hab von der “kleinen Welt am Wegesrand”.
Eindeutig hier vielleicht das Gemeine Weißmoos. Sternmoos, Schönes Widertonmoos, Schönes Frauenhaarmoos – ohne lateinische Bezeichnung ist keine Verständigung möglich – hab ich gelernt… Zwei Fotos eines Lebermooses, im Mittelalter als Heilpflanze nach der Signaturenlehre similia similibus curentur (Ähnliches heilt Ähnliches) benannt. Gekostet und für gut befunden, denkbar: wir kaufen es demnächst industriell gezüchtet für den Supermarkt – leider auch dann noch schwierigst zu ernten so völlig ohne Stiel wie Moose → (auch für anderes zu nutzen) nun einmal sind.

 

Fläming-Winterwald

Fläming Winterwald. Copyright K.G.Brandler

Fläming Winterwald

Fläming Winterwald. Copyright K.G.Brandler

Fläming Winterwald. Copyright K.G.Brandler

Fläming Winterwald

Fläming Winterwald

Fläming Winterwald, Copyright K.G.Brandler

Reichhelmstein Fläming, Copyright K.G.Brandler

Elefantenstein Fläming. Copyright K.G.Brandler

Fläming Winterwald, Copyright K.G.Brandler

Fläming Winterwald Medewitz W71

 

Begrüßung und Abschied

Wolfsspur. Copyright K.G.Brandler
Wo die wilden Wölfe wohnen – ein einzelner Jungwolf aus Richtung Betonruinen, eine prächtige Fährte zur Begrüßung und hier die prächtige zum Abschied

Mit nachträglich großem Dank an Eckhard Knauer vom WSV Rotation Berlin, der in einem feuchten Sommer durch die Wildnis der Springer Rummel unvergesslich und nicht wiederholbar jenseits der Einzäunungen führte.

Falsche Fahrt, falsche Fährten

27.12.2018, ca. 15 km Solo zu zweit von Jeber-Bergfrieden nach Stackelitz, beides Sachsen-Anhalt, nicht konsequent Zickzack durch den Hohen Fläming, konsequent gerade nach Medewitz in Brandenburg

Das Versprechen: Spur der Steine I, Flämingbuchen, Damwild, Blaubeeren ohne Beeren, Springer Rummel.

Es spielen mit:
eine Abo-Fahrkarte 65+ und eine Fahrkarte bis Belzig.
Eine Schaffnerin, die im Zug wortreich eine Nachlösekarte Wiesenburg oder Medewitz, also bis Medewitz verkauft. Wir fahren nach Medewitz.

Jeber-Bergfrieden
Himmel und Hölle: was ist das für ein Bahnhof?

Fahren, fahren. Vorbei an der Kirchenruine Schleesen. Fahren.
Ein Zugführer der gute Laune hat und uns bei Ankunft in Jeber-Bergfrieden, Sachsen-Anhalt, eine baldige Rückfahrt nach Wiesenburg anbietet. Ebenfalls ohne Halt in Medewitz.

Wir wandern. Im Fläming bestes Wetter, fast Sonne. Siehe da: direkt auf der Spur der Steine.

Spur der Steine, Fläming
Alles richtig!
Richtung Stackelitz
Richtung Stackelitz
Fläming, Sachsen-Anhalt
Vorwärts immer, rückwärts nur mal gucken

In Stackelitz

Kolonistenhaus Stackelitz
Kolonistenhaus aus alten Zeiten
Stackelitz, Fläming
…hier zumindest der Sandstein noch älter.

Sprechende Steine. Spiegelnd poliertes Gold. Mir kommt der böse Gedanke, die Häuser zu zählen. Niemals wäre ich auf die Idee gekommen, ein Dorf wie Stackelitz so genau anzuschauen. Ein Straßendorf – die alten Toreinfahrten verbinden von Haus zu Haus. Die Bausubstanz seit Jahrhunderten selten verändert, nur versteckt hinter ein bisschen farbiger Hoffnung, hoffnungslos.

Grenzland, kurbrandenburgisch - kursächsisch, Brandenburg - Sachsen-Anhalt
Kurbrandenburgisch – kursächsisch, heute: Sachsen-Anhalt, Grenze zu Brandenburg
Kirche Stackelitz
Seitlich noch mit zwei ursprünglichen, romanischen Fenstern

Bis zum Kirchlein von Stackelitz auf der Spur der Steine.
Hinter der Kirche zeigt uns ein Stein den Stinkefinger: falsche Fährte. Zu gut weiß ich, dass der Fläming wirklich bestens ausgeschildert ist. Aber irgendwann, irgendwo, irgendwie ist Ankunft garantiert. Karte und Kompass vorhanden, nur das Gefühl für die Streckenlänge ist bei Solo zu zweit nicht gleich.

Stinkefinger

Es spielt ziemlich bald mit: eine Familie aus Richtung eines Denkmals. “Das MUSS auf dem Plan eingezeichnet sein.” Isses nich. Mehr weiß niemand. Viel Glück!

Platz ohne Hirsch
Platz ohne Hirsch – ein Gefühl: einmal war ich hier schon…

Bestes Wetter, fast Sonne – wenn nicht nur Wald wäre.
Versprechen eingelöst: von rechts nach links und noch einmal von links nach rechts ein Rudel Damwild mit Hirsch, Tieren und Kälbern.

Ein Grenzstein? Inschrift: F.A.C. 1727
Ein Grenzstein? Inschrift: F.A.C. 1727 oder so ähnlich. Friedrich August Cursachsen???
Nicht der Elefantenstein, aber ein Elefantenbaby
Der Elefantenstein liegt ganz woanders. Aber das Elefantenbaby gefällt mir sowieso besser

Es spielt mit: ein künstlerischer Kettensäger. Mit Auto. Also Vorsicht und nein, nein, nein: warum soll ich erst nach Setzsteig? Die Steine und die Springer Rummel liegen nordwestlich. Ich bin oft genug zu weit gelaufen.

Kettensäger im Fläming
Begegnung der unerwarteten Art

Bestes Wetter, fast Sonne – wenn nicht nur Wald wäre. Und sich kreuzende Wege – nicht wie die berühmten Märchenkreuzungen in drei Richtungen, nein: wiederholt zwischen vier bis sechs Möglichkeiten.

Blaubeertriebe
Blaubeertriebe
Fläming
Schwierig, sich zu einigen…
Flämingbuche - ich hoffe, mit dem besonderen Fläming-Gen
Flämingbuche – ich hoffe, eine mit dem ganz besonderen Fläming-Gen…

Versprechen eingelöst: Blaubeerkraut en masse. Flämingbuchen, inselartig im unendlichen Wald verteilt.
Jetzt bitte Bahndamm als Orientierung. Irgendwann, irgendwie landen wir viel zu weit zurück in Schleesen, Landschafts- und Gartenbau Stackelitz. Aber in Brandenburg waren wir auch schon.

Es spielt mit: fahrend im Auto ein Begeher (verharmlosend für Jäger), dann aber nach Fährten spürend. Imaginär vier Jungwölfe. Imaginär der tote Förster von Spring und der neue Waldbesitzer Baron XYZ.

Tja, nun sind wir wiederum näher an Medewitz als an Steinen und Rummel.

Isolator
Wenigstens noch ein Porzellanisolator. Angeblich eine künftige oder sogar schon heute seltene Antiquität.

Es spielt mit: ein Mensch in weißen Hosen Richtung Bahnhof. Ah, ein Einheimischer. Dann fährt jetzt ein Zug! Der Mensch stellt sich als “auch” Wanderer vor. Woher, wohin – wir wissen es nicht. Der Zug fährt trotzdem gleich.

Einige Versprechen nicht eingelöst.
Für die Fahrkarte ab Belzig bis Belzig keine Zusatzzahlung, aber zusätzliche Fundstücke im und am Rucksack: eine Astrinne, eine braune Miniarzneiflasche zugeschraubt, eine weiße Porzellantülle. Spannend war es für beide Fahrkarten. Und einsam, trotz der sehr unerwarteten Mitspieler.